Kongress der Gemeinden und Regionen Europas
Was ich im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates mache – und wie viel Einfluss wir wirklich haben
Wenn ich erzähle, dass ich Mitglied im Kongress der Gemeinden und Regionen des Europarates bin, bekomme ich oft erst einmal fragende Blicke. Was genau macht man dort eigentlich? Und hat das überhaupt politischen Einfluss? Ich möchte einen Einblick in meine Arbeit geben – ganz praktisch und aus erster Hand.
Meine Rolle: Stimme für die kommunale Ebene in Europa
Im Kongress vertrete ich die Interessen von Städten, Gemeinden und Regionen – also genau die Ebene, auf der Politik für die Menschen direkt spürbar wird. Ob es um Infrastruktur, Schulen, Sicherheit oder wirtschaftliche Entwicklung geht: Vieles entscheidet sich vor Ort. Meine Aufgabe ist es, diese Perspektive in die europäische Zusammenarbeit einzubringen. Denn zu oft werden Entscheidungen „von oben" gedacht, ohne die Realität in den Kommunen ausreichend zu berücksichtigen.
Einsatz für starke kommunale Selbstverwaltung
Ein zentraler Teil meiner Arbeit ist der Einsatz für die kommunale Selbstverwaltung. In Europa ist das keine Selbstverständlichkeit. Deshalb prüfen wir regelmäßig, ob die Mitgliedstaaten grundlegende Standards einhalten. Dazu gehört auch, dass wir Länderberichte erstellen: Wir schauen genau hin, wie es um die lokale Demokratie steht, wo es Fortschritte gibt – und wo Probleme bestehen. Unsere Empfehlungen sind klar formuliert und politisch nicht immer bequem.
Vor Ort hinschauen: Wahlbeobachtung
Ein besonders spannender Teil meiner Tätigkeit sind Wahlbeobachtungsmissionen. Ich reise in andere Länder und beobachte dort Kommunal- oder Regionalwahlen. Dabei geht es nicht nur um den Wahltag selbst, sondern um das gesamte Umfeld: Gibt es faire Bedingungen? Haben alle Kandidaten die gleichen Chancen? Funktioniert die Verwaltung neutral?Diese Eindrücke fließen in Berichte ein, die öffentlich gemacht werden und oft internationale Aufmerksamkeit bekommen.
Austausch über Grenzen hinweg
Was ich besonders schätze, ist der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa. Wir diskutieren konkrete Lösungen: Wie gelingt Bürgerbeteiligung? Wie stärken wir den ländlichen Raum? Wie gehen Kommunen mit Migration oder Digitalisierung um? Viele Ideen lassen sich übertragen – und genau darin liegt ein großer Mehrwert unserer Arbeit.
Und jetzt die entscheidende Frage: Wie viel Einfluss haben wir wirklich?
Wir sind kein Parlament. Wir verabschieden keine Gesetze, und wir können keine Regierungen direkt zu etwas verpflichten. Unser Einfluss ist indirekt – aber keineswegs gering. Unsere Berichte und Empfehlungen setzen politische Themen auf die Agenda. Sie erzeugen öffentlichen Druck und werden von Regierungen, Verwaltungen und internationalen Organisationen sehr genau wahrgenommen. Gerade bei Fragen der Demokratie und Rechtsstaatlichkeit haben unsere Einschätzungen Gewicht. Wenn wir Defizite benennen, bleibt das nicht folgenlos – weder national noch international. Außerdem beraten wir andere Institutionen des Europarates. Das bedeutet: Unsere Perspektive fließt in größere politische Prozesse ein.
Mein Fazit
Meine Arbeit im Kongress ist keine klassische „Machtposition". Aber sie ist wirkungsvoll auf eine andere Weise: durch Argumente, durch Transparenz und durch den europäischen Austausch. Ich erlebe immer wieder, dass Veränderungen nicht nur durch Gesetze entstehen, sondern auch durch Druck, Dialog und gute Beispiele. Und genau daran arbeite ich – gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz Europa.